Long shutter speed photography

So fotografierst du mit langer Belichtungszeit

Kamera Express

Foto mit langer Belichtungszeit

Nutze die Belichtungszeit für besondere Effekte

Hast du das Belichtungsdreieck gemeistert? Super! Dann wird es jetzt Zeit, mit einem der Bestandteile des Dreiecks zu experimentieren: der Belichtungszeit. Durch das Spielen mit einer längeren Belichtungszeit kannst du nämlich besondere Effekte in deinen Fotos erzielen. Wie das geht, erklären wir dir hier.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Lichtstreifen fotografieren

Einer der bekanntesten Effekte, den du mit einer langen Belichtungszeit erzielen kannst, sind Lichtstreifen. Du kennst sie sicher: Fotos von Autobahnen am späten Abend, auf denen gelbe und rote Lichtstreifen zu sehen sind. Diese Fotos wurden mit einer längeren Belichtungszeit aufgenommen. Da die Belichtungszeit länger ist, fällt über einen längeren Zeitraum Licht auf den Sensor. Wenn sich dieses Licht dann bewegt – wie bei Autos auf der Autobahn – entsteht ein Lichtstreifen auf deinem Foto.

Fotos mit Lichtstreifen zu machen ist gar nicht so schwer, aber die Einstellungen und das Setup deiner Kamera müssen einige Anforderungen erfüllen. Wenn du unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung befolgst, ist es im Handumdrehen erledigt.

Long exposure light trailsLong exposure light trailsLong exposure light trails

Schritt 1

Wähle sorgfältig den Ort für dein Foto aus. Für Fotos mit Lichtstreifen ist es natürlich wichtig, dass Licht vorhanden ist – und das auch regelmäßig. Eine verlassene Landstraße ist daher keine so gute Idee. Denke auch gut über die Farben nach. Ein Auto hat vorne gelbes oder weißes Licht und hinten rotes Licht. Wenn du beides festhalten möchtest, musst du eine Straße suchen, auf der Autos sowohl in deine Richtung als auch von dir weg fahren. Berücksichtige dabei auch deine eigene Sicherheit. Suche zum Beispiel eine Brücke oder ein Viadukt auf, wo du sicher eine Weile stehen kannst, ohne im Weg zu stehen.

Schritt 2

Wenn du den richtigen Ort gefunden hast, brauchst du ein Stativ oder eine andere Möglichkeit, deine Kamera stabil aufzustellen. Da der Verschluss länger offen bleibt, ist es wichtig, dass sich die Kamera selbst nicht bewegt. Wenn sich die Kamera bewegt, geht der Effekt der Lichtstreifen verloren und du erhältst ein unscharfes Foto.

Schritt 3

Wenn deine Kamera bereit steht, ist es Zeit, ein paar Einstellungen für das perfekte Bild auszuprobieren. Es gibt keine magische Formel, die immer für ein perfektes Foto mit Lichtstreifen sorgt, aber es gibt ein paar Richtlinien, an die du dich halten kannst. Versuche, die ISO so niedrig wie möglich zu halten. Am besten beginnst du mit einer ISO von 100. Wie groß du die Blende einstellst, hängt von der Menge an Umgebungslicht ab, die du in deinem Foto sehen möchtest. Willst du viel Umgebungslicht? Wähle dann eine Blende zwischen f/4 und f/11. Lieber wenig Licht? Dann wähle eine Blende von f/16 oder kleiner. Danach ist es Zeit, mit der Belichtungszeit zu experimentieren. Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Lichtstreifen erscheinen auf deinem Foto und desto länger sind sie. Viele Fotograf:innen verwenden eine Belichtungszeit zwischen 6 und 30 Sekunden. Für eine längere Belichtungszeit ist es oft praktisch, den Bulb-Modus deiner Kamera zu nutzen. Damit kannst du den Verschluss so lange wie gewünscht offen halten. Die einzige Möglichkeit herauszufinden, was dir gefällt, ist das Experimentieren. Sind dir das zu viele Einstellungen auf einmal? Viele Kameras haben einen Verschlusszeitvorrang-Modus (erkennbar am Symbol „Tv" oder „S"). Dabei musst du nur ISO und Belichtungszeit einstellen, und die Kamera wählt selbst die passende Blendengröße. Ganz praktisch!

Schritt 4

Wenn du völlig bereit bist, ein Foto zu machen, gibt es noch eine Sache zu beachten: das Drücken des Auslösers. Wenn du auf den Auslöser drückst, bewegt sich nämlich auch deine Kamera ein wenig. Deshalb ist es praktisch, den Selbstauslöser deiner Kamera zu nutzen oder einen separaten Fernauslöser zu verwenden.

Schritt 5

Jetzt bist du wirklich rundum bereit. Leg einfach los und experimentiere vor allem mit den verschiedenen Einstellungen für ein möglichst schönes Ergebnis.

Weitere Tipps für das Fotografieren von Lichtstreifen

Neben dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es noch ein paar weitere Dinge zu beachten. So solltest du deine Fotos am besten im RAW-Format aufnehmen. Dadurch kannst du beim Bearbeiten deiner Fotos letztendlich mehr herausholen. Außerdem ist es ratsam, deinen Akku gut aufzuladen oder einen Ersatzakku mitzunehmen. Da die Belichtungszeit so lang ist, verbraucht deine Kamera auch mehr Strom. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Anwendungen dieser Technik. Denk zum Beispiel an Fotos des sich bewegenden Sternenhimmels oder an die tollen Fotos, die man rund um Silvester immer sieht, auf denen mit Wunderkerzen in die Luft geschrieben wird. Für weitere Tipps dazu kannst du das folgende Video ansehen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wasser fotografieren

Obwohl es abends viele Gelegenheiten gibt, mit einer langen Belichtungszeit zu experimentieren, lässt sich auch tagsüber einiges erleben. Denn auch die Natur eignet sich hervorragend für Fotos mit langer Belichtungszeit. Besonders Meere und Wasserfälle sind dafür sehr gut geeignet. Mit einer langen Belichtungszeit kannst du das Wasser nämlich ganz besonders wirken lassen – ein bisschen so, als würde es durch eine Landschaft tanzen. Wie das geht, erklären wir dir jetzt.

Long exposure waterLong exposure waterLong exposure water

Schritt 1

Zuerst musst du natürlich den perfekten Ort für dein Foto finden. Suche einen Platz mit fließendem Wasser, ob das nun an der Küste oder bei einem Wasserfall ist. Es ist sehr wichtig, dass sich an diesem Ort auch etwas befindet, das sich nicht bewegt, damit du darauf scharf stellen kannst. Denke zum Beispiel an einen Ast, einen Stein oder etwas, das aus dem Wasser herausragt. Beachte außerdem, dass du deine Ausrüstung dort sicher verwenden können musst, ohne dass sie nass wird.

Schritt 2

Es ist Geschmackssache, aber meistens wird ein Weitwinkelobjektiv für Fotos von fließendem Wasser verwendet. So stellst du sicher, dass du die Weite und Pracht der Natur einfängst und durch das Wasser betonst. Wähle also ein Objektiv mit einer Brennweite zwischen 7 und 40 Millimetern.

Schritt 3

Verwende ein Stativ, damit deine Kamera so ruhig wie möglich bleibt und nur das Wasser mit einem besonderen Effekt versehen wird.

Schritt 4

Anschließend ist es Zeit für die Einstellungen. Stelle die ISO so niedrig wie möglich ein und mache die Blende so klein wie möglich (also eine möglichst hohe Zahl). Du kannst auch wählen, dein Foto über die Belichtungskorrektur leicht überzubelichten. Damit verlangsamst du den Verschluss noch etwas weiter und gibst dem Wasser ein besonderes Highlight. Mit den richtigen Einstellungen ist die Umgebung vollkommen scharf, während das Wasser einen besonderen Effekt bekommt. Wenn ISO und Blende eingestellt sind, kannst du die Belichtungszeit einstellen. Hier gilt: Je länger die Belichtungszeit, desto fließender wirkt das Wasser. Verschiedene Belichtungszeiten liefern unterschiedliche Ergebnisse. Das hängt auch vom Wasser und der Geschwindigkeit ab, mit der es fließt. Probiere also verschiedene Belichtungszeiten aus – von 1/5 Sekunde bis hin zu einigen Sekunden –, damit du herausfinden kannst, welches Ergebnis am schönsten ist.

Schritt 5

Auch hier ist es wichtig, dass die Kamera so ruhig wie möglich ist. Verwende also einen Selbstauslöser für deine Fotos und leg einfach los.

Weitere Tipps für das Fotografieren von Wasser

Kameras und Wasser vertragen sich nicht so gut, es sei denn, du hast ein Unterwassergehäuse. Sei also vorsichtig in der Nähe von Wasser und triff Vorsichtsmaßnahmen. Es gibt zum Beispiel praktische Regenhüllen, die deine Kamera und dein Objektiv vor Wassertropfen schützen – sehr nützlich, wenn du zum Beispiel Wasserfälle fotografieren möchtest. Wenn du Fotos aus dem Wasser heraus machen möchtest, ist es außerdem wichtig, ein stabiles Stativ zu haben, das gut gegen Wasser gewappnet ist. Schaue dir auch Stative mit Spikes an, damit du auch bei fließendem Wasser extra Halt hast.

Du kennst jetzt mehrere Techniken für das Fotografieren mit einer langen Belichtungszeit. Damit kannst du entdecken, was alles möglich ist, wenn du mit deinen Kameraeinstellungen experimentierst. Das macht nicht nur viel Spaß, sondern hilft dir auch, die Möglichkeiten deiner Kamera besser kennenzulernen. Vergiss nicht, das Ergebnis mit uns zu teilen – wir sind nämlich sehr gespannt!